
20. Spieltag 01.12.2024
DERBYSIEGER!
Es gibt diese Spieltage im Leben eines ECH-Anhängers, da geht man bereits mit einem subtilen schwermütigen Gefühl im Magen an den Pferdeturm. Man weiß bereits, dass die Laune innerhalb weniger Stunden rapide absinken kann und das Fanherz in der kommenden Woche getrübt sein wird. Derbys gegen die Nordvorstädter waren in der Vergangenheit oft solche Spiele. Seitdem man den letzten Derbysieg im Januar 2019 einfahren konnte, folgte eine Serie von ganzen 23 erfolglosen Begegnungen. Besonders bitter waren jene in den Playoffs der vergangenen Saison.
Und so machten sich viele schon gar keine großen Hoffnungen, als man an diesem Sonntagabend zum zweiten Mal innerhalb der aktuellen Spielzeit die Wedemarker in der heimischen Spielstätte empfing. Nicht nur haben unsere ungeliebten Nachbarn bekanntlich durch einige potente Sponsoren und Geldgeber einen verhältnismäßig hochwertigen Kader, auch konnte der Verein in der Woche vor dem Schlagabtausch gegen unseren ECH mit Tom Barrasso eine echte NHL-Legende als Headcoach gewinnen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer brachten jedoch die Spielsperren von Brett Cameron, einem der Topscorer der Scorpions, und Michael Knaub. Diese hatten nach einer verdienten Niederlage in Leipzig ihre Egos nicht unter Kontrolle und schlugen auf alles ein, was nicht nach Kuhstall roch.
Jetzt aber hinein ins Getümmel! Nachdem die Landeier zu Einlauf in Form von Blinkern und einer Bengalfackel gezeigt haben, was im Silvestershop der Wedemark gerade im Angebot war, lehrten ihnen die Indianer auf den Eis innerhalb von gerade einmal 114 Sekunden durch zwei Buden von Robin Palka und Justin Salamin Demut. Spätestens jetzt war auch bei den größten Zweiflern auf den Tribünen Feuer drin. Nach einem weiteren Glanzstück von Palka und zwei Treffern der Krabbeltiere gingen wir nach einem höchst intensiven ersten Drittel mit einem 3:2 in die Pause.
Könnte es heute nach fast sechs Jahren endlich so weit sein? Das zweite Drittel jedenfalls verlor erwartungsgemäß leicht an Tempo, allerdings konnte die Führung durch einen weiteren Treffer von Salamin aufrechterhalten werden, auch wenn unsere Nachbarn ebenfalls einen Puck im Tor versenkten.
Im letzten Drittel dann erkannte auch Scorpions-Goalie Kevin Reich, dass es an diesem Abend nur einen wahren Verein gibt, dem der Derbysieg gebührt und verabschiedete sich kurzerhand durch einen sinnlosen Stockschlag mit anschließender Spieldauerdisziplinarstrafe in die Kabine. Daraufhin durfte sich der unerfahrene Ersatzkeeper Fabian Gensicke in dem angesetzten fünfminütigen Powerplay für unsere Kleefelder Jungs erst den Hattrick von Robin Palka und anschließend das absichernde 6:3 durch Tyler Gron um die Ohren knallen lassen. Mitleid gab es dafür jedoch keines, auf den Rängen war die Stimmung so ausgelassen wie schon lange nicht mehr und so konnte nach langem Warten endlich der Derbyfluch gebrochen werden! Was für ein Spiel!
Beim Feiern auf dem Eis zeigte Luca Trinkberger den gekränkten Gestalten auf der Südtribüne mit in die Höhe gerecktem Stick noch einmal, wer hier Herr im Haus ist, und so machten sich die Gästefans wieder schnell auf den Weg in Richtung heimischen Melkstand. Wir hingegen feierten in der Nordkurve noch euphorisiert den Derbysieg, das Team und den ECH bevor wir von Dannen zogen und sich einige noch dem ein oder anderen alkoholischen Getränk hingaben.
Nach diesem grandiosen Abend bleiben folgende Erkenntnisse: jene, dass wir, so unwahrscheinlich es auch scheint, IMMER siegen können. Jene, dass das Team auch nach einigen unansehnlichen Spielen in der Vergangenheit noch immer ein Feuer in sich trägt. Und vor allem jene, dass Geld und große Namen niemals das ersetzen können, was wir Hannoveraner bei uns am Pferdeturm haben. Vorwärts ECH!
~ Andi Theke